Letztes Update: 05.12.20

 

Wandern an der frischen Luft ist gesund, keine Frage. Doch je nach Terrain und Umgebungsbedingungen kommen unterschiedliche Wanderschuhe in Frage. Wir verraten Ihnen anhand von 10 einfachen Tipps, wie Sie herausfinden, welche Schuhe für Ihre Zwecke am besten geeignet sind. Darüber hinaus geben wir Ihnen einige Tipps mit auf den Weg, wie Sie Blasen vermeiden können und was Sie sonst noch zum Thema Wanderschuhe beachten sollten. Je intensiver Sie sich mit dem Thema befassen und je besser Sie sich vorbereiten, desto sicherer können Sie sein, dass die Wanderung zur Vergnügungstour und nicht zur Tortur wird.

 

1. Den idealen Schuhtyp finden

Wanderschuhe unterstützen je nach Modell die Muskeln, Gelenke, Sehnen, Bänder und Knochen weniger oder stärker. Gute Schuhe schützen den Fuß nicht nur vor Verletzungen, sondern sorgen auch dafür, besseren Halt zu bieten, das Abrollen zu unterstützen oder zu dämpfen, um die Gelenke zu entlasten.

Je nach klimatischen Bedingungen, Untergrund und Einsatzbereich kommen daher andere Arten von Schuhen in Frage. So benötigt man bei anspruchsvollen Wandertouren, bei denen auch geklettert wird, eine besonders steife Sohle und einen Schuh, der sehr guten Halt bietet und das Sprunggelenk schont. Bei eher weichem Untergrund oder auf matschigen Pfaden hingegen sind Schuhe ideal, die flexibel sind, leicht nachgeben und über ein griffiges Profil verfügen. Wer hingegen auf natürlichen, weichen und zugleich trockenen Pfaden unterwegs ist, der kann sich gegebenenfalls auch einen Barfußschuh anschauen, denn dieser bietet möglichst wenig Unterstützung, sorgt dennoch für einen guten Halt und vermittelt das Gefühl, barfuß unterwegs zu sein. Stimmen jedoch die Untergrundbedingungen nicht, nützen auch die besten Barfußschuhe nichts und der Wanderausflug wird schnell zum Desaster.

 

2. Bei der Auswahl des Schuhtyps systematisch vorgehen

Den einen besten Schuh für alle Anwendungsbereiche gibt es nicht. Es ist daher wichtig, sind langsam dem idealen Modell für den jeweiligen Einsatzbereich anzunähern. Überlegen Sie sich, für welche Arten von Wanderungen Sie den Schuh einsetzen möchten. Entsprechend sollte er weniger oder mehr Halt bieten, flexibel oder unflexibel sein oder ein bestimmtes Obermaterial oder Sohlenprofil bieten. Achten Sie darauf, dass der Schuh gut sitzt, insbesondere im vorderen Bereich breit geschnitten ist und dem Fuß ausreichend Platz lässt und dabei dennoch die Ferse unterstützt. Bei Schuhen für Klettersteige empfehlen wir, darauf zu achten, dass sie nicht nur besonders sicheren Halt bieten, sondern gegebenenfalls auch steigeisentauglich sind

 

3. Wasserdichte vs. wasserdurchlässige Modelle

Wasserdichte Schuhe sind mit einem speziellen Obermaterial ausgestattet. Insbesondere Gore-Tex ist hier vielen ein Begriff. Bei feuchter Umgebung oder winterlichen Temperaturen ist es sehr wichtig, den Fuß vor der Feuchtigkeit zu schützen. Dabei haben flache Modelle natürlich den Nachteil, dass auch das beste wasserdichte Material nichts nützt, wenn die Pfütze schlichtweg zu tief ist und Wasser von oben eintritt. Viele komplett wasserdichte Modelle haben allerdings den Nachteil, dass sie nicht so atmungsaktiv und luftig sind, wie wasserdurchlässige Modelle. Dies kann zu stärkerem Schwitzen führen. Darüber hinaus machen Hightech-Materialien den Schuh häufig teurer.

4. Die ideale Sohle

Klettersteigsohlen sind mit einem soliden und griffigen Steg für Trittleitern ausgestattet und sie bieten durch ihre Steifigkeit einen besseren Halt an Kanten. Klassische Wandersohlen hingegen sind flexibler, bequemer und für längere Strecken besser geeignet. Wichtig ist auch zu wissen, dass keine Sohle die absolute Sicherheit bietet und jeder seine persönlichen Vorlieben hat. Je weniger anspruchsvoll das Gelände ist, desto weniger Unterstützung, Schutz und Halt muss die Sohle bieten. Zu viel Unterstützung, Entlastung und Schutz bringt am Ende des Tages nicht selten auch Nachteile mit sich und können sich negativ auf das Abrollverhalten auswirken.

 

5. Die Pflege beachten

Gute Schuhe müssen natürlich auch gepflegt werden. Hierzu muss man wissen, dass insbesondere Schuhe mit starker Dämpfungswirkung anfällig für Feuchtigkeit sind, denn Wasser kann sich in dem Kunststoffgemisch der Zwischensohle ansammeln. Dies kann sie brüchig machen. Daher sollten Schuhe mit dämpfender Sohle stets gut getrocknet und kühl gelagert werden. Wenn das Obermaterial aus Leder besteht, sollten Sie zudem daran denken, es nach einer ausgiebigen Reinigung einzufetten und zu pflegen, damit es nicht brüchig wird. Die meisten Wanderschuhe vertragen zudem eine Reinigung in der Waschmaschine nicht gut, daher sollte man darauf generell verzichten. Auch Synthetikmaterial sollte imprägniert werden, um es vor Verschmutzungen zu schützen.

 

6. Die Schnürung

Schauen Sie unbedingt auch auf die Schnürung eines Schuhs, denn die richtige Schnürung verbessert nicht nur den Halt, sondern macht auch das An- und Ausziehen komfortabler. Einige Hersteller bieten Quicklaces an, die sich besonders einfach schnüren lassen, da sie über einen Kordelstopper verfügen. Andere Modelle sind mit klassischen Schnürbändern ausgestattet, die eine bessere individuelle Anpassung ermöglichen. Auf jeden Fall sollte immer darauf geachtet werden, dass die Lasche genau in der Mitte sitzt und ein guter Halt der Ferse durch eine feste Schnürung unterstützt wird. Gute und langlebige Schnürsysteme an Schuhen ermöglichen es zudem, die Schnürung an die jeweiligen Anforderungen anzupassen. So ist es beispielsweise bei einem steilen Abstieg empfehlenswert, die Zonen am Schaft fest zu schnüren, wohingegen man sie bei einem Aufstieg lockerer schnüren sollte. Durch Klemmhaken kann die Schnürung über den gesamten oberen Bereich individuell angepasst und variabel verändert werden.

 

7. Geschmeidigkeit des Obermaterials

Viele Schuhe bestehen aus einem recht starren Obermaterial, das erst eingelaufen und geschmeidig gemacht werden muss. Erst dann ergibt sich die perfekte Feinabstimmung zwischen Fuß, Schuh und Socken. Bevor Sie einen neuen Schuh zum ersten Mal bei einer Wanderung tragen, sollten Sie ihn bereits in der Wohnung etwas eingelaufen haben. Dies ist auch der Grund, warum ein erstes Anprobieren eines Wanderschuhs im Geschäft nur eine bedingte Aussagekraft hat. Erst nach einer gewissen Einlaufzeit bietet der Schuh die gewünschten Eigenschaften und die nötige Geschmeidigkeit. Insbesondere bei steifen Schuhen mit festem Obermaterial ist dies sehr wichtig. Bewertungen anderer Käufer und Erfahrungswerte sowie Testergebnisse können daher oft aussagekräftiger sein, als ein kurzes Anprobieren im Geschäft.

 

8. Stützung des Fußgelenks

Wenn Sie häufig in unwegsamem Gelände unterwegs sind und einen besonders hohen Schutz vor dem Umknicken benötigen, empfehlen wir stets, zu Halbstiefeln zu greifen, die starr und fest geschnürt werden können. Doch dies ist nicht alles. Auch gewisse Bewegungsabläufe und motorische Muster sollten sich eingeprägt haben, um ein Umknicken zu verhindern, denn der Schuh alleine kann dies nicht leisten. Selbst mit einem starren Skaterschuh oder Skistiefel kann man umknicken. Hier ist ein Umknicken dann mitunter mit einer höheren Verletzungsgefahr verbunden als bei einem halbhohen Schuh, der von einem trainierten Geländewanderer getragen wird.

Immer dann, wenn eine hohe Flexibilität des Fußgelenks gefordert ist, macht es jedoch nur wenig Sinn, einen hohen Wanderschuh mit starrem Schaft zu verwenden. Hier sind Schuhe empfehlenswerter, die flexibel sind und sich gut anpassen lassen. Der richtige Schuh zum passenden Gelände spielt daher auch bei der Stützwirkung des Fußgelenks eine entscheidende Rolle.

9. Blasen im Schuh vermeiden

Ob sich Blasen an den Füßen bilden, hängt nicht nur alleine vom Schuh ab. Eine gute Fußpflege vor einer ausgiebigen Wanderung ist mindestens ebenso wichtig. Letztendlich bilden sich Blasen, wenn man sich beim Wandern wund läuft. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich natürlich, wenn man den falschen Schuh für einen bestimmten Untergrund oder für bestimmte Bedingungen gewählt hat. Wir empfehlen, bereits eine Woche vor der Tour die Füße zu pflegen, die Zehennägel in Form zu bringen und dann bei der Wanderung Socken zu tragen, die keine Falten werfen. Zudem sollten Sie zu jeder Wanderung Blasenpflaster, eine Hautschere und Desinfektionsmittel mitführen, um schnell erste Hilfe leisten zu können.

 

10. Langsam an neue Begebenheiten gewöhnen

Wenn Sie einen neuen Schuh tragen, sollten Sie es zu Beginn nicht übertreiben. Tasten Sie sich langsam heran und geben Sie sich Zeit, herauszufinden, für welche Einsatzbereiche der Schuh ideal ist und wo er gegebenenfalls Schwächen zeigt. Wer häufig umfangreiche Wanderungen, Trekking- oder Klettertouren in unterschiedlichem Gelände durchführt, der wird selten nur mit einem einzigen Schuh zurechtkommen. Insbesondere leichte und flexible Schuhe wie beispielsweise Barfußschuhe lassen sich gut auch unterwegs mitnehmen, so dass man das Schuhwerk bei anderen Bedingungen schnell wechseln und entsprechend anpassen kann.

 

Fazit

Wenn Sie den besten Wanderschuh für Ihre Zwecke finden möchten, reicht es nicht, kurz einen Schuh anzuprobieren und dann drauf los zu wandern. Sie sollten sich den Kauf gut überlegen und den Schuh entsprechend den jeweiligen Anforderungen, Gegebenheiten und Ihren persönlichen Vorlieben auswählen. Achten Sie besonders auf die Art des Schuhs, die Beschaffenheit der Sohle und überlegen Sie sich, auf welche Faktoren Sie besonderen Wert legen.

Wanderschuhe wollen zudem gepflegt, richtig geschnürt und eingelaufen werden, damit sie ihre volle Unterstützungswirkung und den bestmöglichen Komfort erreichen. Geben Sie sich und dem Schuh etwas Zeit, übertreiben Sie es nicht und orientieren Sie sich an Erfahrungswerten anderer Käufer und an Testberichten, um Fehlkäufe zu vermeiden. Wenn Sie sich unsicher sind oder Sie keine allzu langen und anspruchsvollen Wanderungen unternehmen, kann ein guter Allroundschuh die beste Wahl sein.

Darüber hinaus spielen beim Tragen auch weitere Faktoren wie die richtige Wahl der Socken, eine gute Fußpflege und ein gutes Einlaufen eine große Rolle, wenn Sie falsche Belastung und Blasenbildung vermeiden möchten. Wir empfehlen daher, stets Desinfektionsmittel mitzuführen und Blasenpflaster im Erste-Hilfe-Set auf lange Wanderungen mitzunehmen.

 

 

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