Letztes Update: 05.12.20

 

Eine Wandertour im Hochgebirge ist etwas Traumhaftes. Die atemberaubende Bergkulisse, die beeindruckenden Wanderwege und die vielen verschiedenen Schauplätze und Gelegenheiten, Rast zu machen und die Natur zu genießen. Nicht umsonst zieht es jährlich so viele Wanderer in die Berge.

Doch das Gebirge hat auch seine Tücken. Das Wetter kann schnell umschlagen, man überschätzt leicht seine Fähigkeiten und selbst ein kleiner Fehltritt kann schlimme Folgen haben. Worauf Sie beim Wandern im Hochgebirge unbedingt achten sollten, haben wir in Form von fünf grundlegenden Tipps und Verhaltensweisen für Sie zusammengefasst. So können Sie böse Überraschungen vermeiden und die Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen.

 

1. Bereiten Sie sich gut (!) vor

Zu einer guten Vorbereitung gehört nicht nur, sich kurz den Wetterbericht rauszusuchen, eine Route auszuwählen und zu starten. Auch wenn man die Belohnung in Form des atemberaubenden Panoramablicks schon vor Augen hat, sollte man die Strapazen des Aufstiegs und die Tücken der verschiedenen Wanderwege nicht aus den Augen lassen. Entsprechend ist es sehr wichtig, die Wanderung ausgiebig zu planen.

Versuchen Sie, so genau wie möglich abzuschätzen, wie lange Sie für den Hin- und Rückweg brauchen. Hierzu gehört es auch, den Trainingsstand aller Beteiligten zu kennen und richtig einzuschätzen. Planen Sie ausreichend viele Pausen ein und informieren Sie sich genau darüber, wie viele Höhenmeter Sie überwinden müssen.

Beschäftigen Sie sich auch mit den Besonderheiten der Strecke. Gibt es steile Hänge oder Gletscher? Kann Nässe zum Problem werden? Wie schwierig ist die Tour, die Sie ausgesucht haben und ist sie für alle Beteiligten angemessen?

Beschäftigen Sie sich neben dem Proviant auch genau damit, welches Equipment Sie benötigen, welche Kleidung sie tragen und welche Kleidungsstücke Sie zusätzlich mitnehmen möchten oder sollten.

Darüber hinaus ist es empfehlenswert, sich die Strecke vorab auf einer Landkarte genau einzuzeichnen, damit Sie während der Wanderung immer wieder einen Blick darauf werfen können. Außerdem sollten Sie Menschen zuhause informieren, wann Sie aufbrechen und wann man Sie wieder zurückerwarten kann. Von der geplanten Route sollten Sie insbesondere als unerfahrener Bergwanderer nie abweichen.

 

2. Reagieren Sie im Falle eines Gewitters richtig

Gewitter sollte man natürlich immer um jeden Preis meiden! Eine genaue Analyse der Wetterlage ist daher sehr wichtig. Auch kurz vor der Abreise sollte man nochmals den Wetterdienst in Anspruch nehmen und die Lage überprüfen. Wenn Wärmegewitter drohen, sollte man stets nur morgens Touren durchführen, um sie zu meiden. In jedem Fall sollte man aber Kalt- und Gewitterfronten aus dem Weg gehen und die Wanderung im Notfall verschieben oder abbrechen. Sollte man trotz sorgfältiger Planung von einem Gewitter überrascht werden, gilt es, Ruhe zu bewahren und richtig zu reagieren.

Meiden Sie auf jeden Fall den Gipfel sowie Klettersteige, Grate und offene freie Flächen, wenn es Blitzt. Auch Felsen und Überhänge sollten Sie so schnell wie möglich verlassen und natürlich keine Stahlseile berühren. Wenn ein Blitzeinschlag bevorsteht und es unvermeidbar ist, der Situation zu entfliehen, sollten Sie sich möglichst klein machen, die Füße geschlossen halten und in die Hocke gehen. Legen Sie Gepäck und Ausrüstung unterhalb Ihres eigenen Standortes ab, denn Blitze verlaufen nach dem Einschlag nach unten hin. Versuchen Sie um jeden Preis, schnellstmöglich Zuflucht in einer nahegelegenen Hütte oder einem Unterschlupf zu finden.

3. Erste Hilfe muss schnell geleistet werden

Wenn der Ernstfall eintritt und ein Notfall vorliegt, zählt jede Sekunde. Unwegsames Berggelände stellt jeden Rettungsdienst und auch jeden Ersthelfer vor große Herausforderungen. Kleinere Schürfwunden, Blasen und Verletzungen kann man schnell mit einem Erste-Hilfe-Set behandeln. Kommt es zu einer ernsthaften Verletzung, gilt es, Ruhe zu bewahren. Besinnen Sie sich Ihrer Vorbereitung und organisieren Sie schnellstmöglich Hilfe. Zu einer guten Planung gehört es daher immer auch, die wichtigsten Notrufnummern im Handy gespeichert zu haben.

In den Alpen erreichen Sie den Alpin-Notruf und die österreichische Bergrettung unter der 140.

Auch der europaweite Euro-Notruf ist immer unter der 112 erreichbar.

Es ist immer empfehlenswert, bei Ungewissheit nochmals einen Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren. So wird Ihnen die Angst genommen, etwas falsch zu machen und Sie können im Ernstfall besser und schneller reagieren.

 

4. Equipment und Packliste sorgfältig planen

Natürlich sind Proviant und ausreichend Flüssigkeit das A und O. Aber auch die übrige Packliste sollte im Hochgebirge genau geplant werden. Dinge wie eine leichte Windjacke, eine Regenjacke, Ersatzkleidung, das richtige Schuhwerk oder auch wichtige Utensilien wie eine Powerbank, Erste-Hilfe-Set, Taschenmesser, Lampe und eine Sonnenbrille dürfen in keinem Rucksack fehlen.

Ein Smartphone ist natürlich ebenfalls unverzichtbar. Im Gebirge empfiehlt es sich, ein GPS-fähiges Outdoor-Handy mitzunehmen, mit dem Sie notfalls Ihre Position ermitteln oder auch übermitteln können. Denken Sie aber unbedingt daran, dass auch der beste Outdoor Handy Testsieger Ihnen nichts bringt, wenn der Akku leer ist. Laden Sie das Gerät daher vorher komplett voll auf und nehmen Sie – falls möglich – zusätzlich eine kleine Powerbank mit.

Wenn Sie den Akku des Smartphones nicht zusätzlich für Fotos belasten möchten, empfehlen sich auch eine kleine Kompaktkamera und unbedingt auch eine Papierkarte mitzunehmen.


5. Beachten Sie die goldenen Verhaltensregeln

Im Hochgebirge gelten Verhaltensregeln, an die sich alle halten sollten, unabhängig davon, ob Sie Anfänger oder ambitionierter Wanderer sind oder ob Sie sich auf eine kurze und einfache oder lange und beschwerliche Wanderung begeben. Verlieren Sie niemals den Respekt vor der Natur und der Kulisse, in der Sie zu Gast sind. Die folgenden goldenen Verhaltensregeln sollten Sie stets beachten:

Überschätzen Sie sich nicht!

Seien Sie stets ehrlich zu sich selbst und planen Sie keine Routen, die unnötig anstrengend oder lang sind. Behalten Sie dabei auch immer die MitwandererÍnnen im Kopf. Insbesondere in Bezug auf Trittsicherheit, Kondition, Ausdauer und Kraft sollte die Strecke stets an die Wanderer angepasst werden. Wer eine 6-stündige Wandertour plant, sollte die eigenen und die Fähigkeiten aller Teilnehmer genau kennen.

Stellen Sie sicher, dass alle komplett fit sind!

Die Wanderung sollte nicht angetreten werden, wenn ein Beteiligter bzw. eine Beteiligte nicht zu 100% fit sind oder jemand ein ungutes Gefühl hat. Im Zweifelsfall sollte die Wanderung lieber verschoben werden.

Im Notfall lieber abbrechen!

Man sollte im Fall der Fälle immer lieber den Rückweg ins Tal antreten und nicht um jeden Preis die Tour zu Ende bringen. Insbesondere, wenn bei jemandem Ermüdungserscheinungen auftreten, sollte man die eigenen Grenzen respektieren.

Das richtige Gehtempo wählen!

Niemandem ist geholfen, wenn das Gehtempo nicht zu allen Beteiligten passt. Insbesondere in einer Gruppe sollten sich alle am Gehtempo der langsameren, älteren oder Kinder orientieren. Mit anderen Worten: Passen Sie sich den Fähigkeiten und Bedürfnissen der schwächeren Gruppenmitglieder an.

Müll gehört nicht in die Berge!

Nehmen Sie allen Abfall wieder mit oder entsorgen Sie ihn fachgerecht. Im Idealfall nehmen Sie alles mit, was Sie hergebracht haben und verlassen Sie das Gelände so, wie Sie es vorgefunden haben.

Respektieren Sie die Natur!

Das gilt für die Umgebung ebenso wie für alle Tiere, die Sie beobachten oder vorfinden können. Achten Sie daher stets auf ein respektvolles Verhalten gegenüber der Natur und ihrer Schönheit.

Checken Sie das Wetter und Warnungen!

Ach kurz vor dem Aufbruch sollten Sie nochmals überprüfen, welche Warnungen vorliegen und wie die Wetterprognose aussieht. Überschätzen Sie dennoch niemals günstige Wetterprognosen und unterschätzen Sie niemals schlechte Wetterprognosen, denn im Hochgebirge kann das Wetter sehr schnell umschlagen.

Informieren Sie Beteiligte und Unbeteiligte!

Jeder Teilnehmer sollte genau über die Planung der Wanderung Bescheid wissen. Informieren Sie daher alle vorab über die Strecke, Schwierigkeiten und Besonderheiten. Außerdem sollte auch mindestens eine unbeteiligte Person über die Planung Bescheid wissen und Sie zu einer bestimmten Uhrzeit zurückerwarten.

 

Fazit

Wenn Sie Ihre Bergwanderung sorgfältig planen und alle Beteiligten mit einbeziehen, ihre Fähigkeiten beachten und sich an die goldenen Regeln halten, steht einem wundervollen Naturerlebnis nichts im Wege. Als Einsteiger sollten Sie sich zunächst nur an einfache Strecken heranwagen, um das Gebirge kennenzulernen, denn hier herrschen andere Bedingungen als im Tiefland. Insbesondere schnelle Wetterumschwünge, unerwartete Steinschläge oder die fehlenden klaren Wegpunkte haben schon häufig zu bösen Überraschungen geführt.

Beachten Sie außerdem stets, dass ein Fehltritt im Gebirge böse Folgen haben kann. Gutes Equipment, die richtigen Schuhe und eine sorgfältige Auswahl der Route sind daher stets unverzichtbar.

 

 

Subscribe
Notify of
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments